Anders / Gehle: Das Assessorexamen im Zivilrecht
6. Auflage 1999, ca. 670 Seiten, DM 65,-
Bei diesem Buch handelt es sich die "Bibel" der Zivilstage. Sie ist nicht nur ein "Muss", sondern Pflicht. Obwohl das Werk aufgrund der Herkunft der Autoren Anders / Gehle starken Bezug zu Nordrhein-Westfalen (und auch zum Rheinland) aufweist, gilt der Inhalt bundesweit. Für die Fülle des besprochenen Stoffes ist der Preis vergleichsweise günstig.
Allein der Umfang schreckt anfangs ein wenig ab. Schafft man es allerdings, dieses Standardwerk im Laufe der Zivilstage komplett zu lesen und (zumindest teilweise) zu erinnerlichen, ist man im Zivilrecht durchaus für das bevorstehende Examen gerüstet. Nimmt man dann noch regelmässig die Gelegenheit war, die Theorie praktisch zu üben (z.B. bei Aktenvorträgen, Klausuren etc.), kann schon fast nichts mehr anbrennen.
Das Buch beinhaltet sowohl die Grundlagen und "Normalfälle" (z.B. Kapitel wie "Das Assessorexamen", "Allgemeine Fragen zur Relationstechnik - dargestellt aus Richtersicht", "Der Aktenvortrag", "Beweis und Beweiswürdigung" oder "Die Examensklausur aus dem Tätigkeitsbereich eines Zivilgerichts") sowie auch die "Besonderheiten" ("Die Aufrechnung des Beklagten im Prozeß", "Versäumnisurteil und Einspruchsverfahren", "Verspätete Angriffs- und Verteidigungsmittel" oder auch "Haupt- und Hilfsantrag"). Insgesamt wird hier der für das zweite Staatsexamen entscheidende Stoff ausführlich besprochen.
Burkhard Gehle war bis Ende diesen Jahres (11/2000) Vorsitzender Richter der 25. Zivilkammer am Landgericht Köln, ist dann allerdings als wissenschaftlicher Mitarbeiter zum Bundesverfassungsgericht gegangen. Trotz der Tatsache, dass Herr Gehle Richter ist, finden sich hier auch Kapitel, in denen beispielsweise auch die anwaltliche Sichtweise Beachtung findet.
Es gibt viele Beispiele (Relationen, Urteile, Musterrechnungen etc.), an denen die Theorie anschaulich dargestellt wird. Im Anhang findet man neben einem umfangreichen Sachverzeichnis auch die Grundlagen der Arbeit in einem Zivildezernat erklärt. Aber auch die zu Beginn des Werkes aufgeführten weiteren Literaturhinweise sind sehr nützlich.
Michael Rohrlich